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Kölner Stadtanzeiger, Dezember 1995

Abiturient Norman Liebold stellt im CVJM-Kulturcafé aus – Bald auch Lesungen

von Esther Körfgen

'geist des wissens, liebold, 1995'
Siegburg Ob es ein bewegendes Thema im Unterricht war, ein Gesicht inmitten einer Menschenansammlung oder auch der eigene Gedankenblitz: Norman Liebold hat mitgezeichnet, auf den Auslöser gedrückt oder das Bild in einem Gedicht festgehalten.
Der junge Künstler aus der Kreisstadt weiß sich auf vielfältige Weise auszudrücken. In seinen Fotografien hält Norman Liebold besondere Augenblicke fest: Ruhige, doch sehr konzentrierte Gesichter von Freunden oder Fremden, herausgehoben aus einer stimmungsvollen Situation – sei es die letzte Bandprobe vor einem wichtigen Konzert, der erschöpfte Schlaf auf der Busreise oder der gespannte Moment vor der Abiturzeugnisvergabe. “Mit dem Fotografieren will ich aber aufhören”, sagt der Abiturient. Er habe entdeckt, daß er sich im Zeichnen und Dichten freier bewegen und der Phantasie mehr Raum geben könne.
Seine Zeichnungen entstanden oft spontan: “Im Geschichtsunterricht haben wir über die Bücherverbrennung der Nazis diskutiert. Da habe ich dann zum Kugelschreiber gegriffen und drauf los gekritzelt”: Das Bild nennt er nun “Der Geist des Wissens”. In Blei, Kreide oder Kohle zeichnet der junge Künstler außer Porträts vor allem Bilder aus eigenen oder ihm anvertrauten Gedanken.
“Kerkerträume”
“Kerkerträume” nennt er eine Reihe von Zeichnungen, die aus der Phantasie eines lange Eingekerkerten entstammen können. Symbol dafür ist der hohe und unbegehbare Fels, auf dessen Spitze, unerreichbar, ein Haus oder eine Kirche steht.
“Seelenkerker” betitelt Norman Liebold auch eins seine Gedichte: “In Freiheit eingesperrt/ Von unsichtbar gewebten Mauern/ ringum errichtet/ von des Geistes Gedankenwälzern,/ steht trostlos man/ und schaut graue Ödnis nur,/ wo blühend lichte Wälder sind.”
Das Gedicht kann gleichzeitig als Zusammenfassung des nunmehr zweiten Buches von Norman Liebold gelten, das noch “in der Mache” ist: “Nebelwege” nennt es sich, und ist eine Novelle voller dichtester Gedankengebilde. Dicht schon deshalb, weil Norman von 400 auf 20 Seiten gekürzt hat. Dabei hat er sich nicht zuletzt an die Regeln seiner zwei großen Vorbilder, Max Frisch und Franz Kafka gehalten.
Wie er den Druck des Buches finanzieren will, weiß Norman noch nicht. Auch nicht, wie es nach dem Abitur weitergehen soll – Fest steht jedoch, daß er in Richtung Schriftstellerei gehen möchte.
Die Fotografien, Zeichnungen und Texte sind in der kleinen Ausstellung noch bis zum 15. Januar im Kulturcafé des CVJM, Wilhelmstraße 55-57, zu sehen. Dort wird Norman Liebold in Zuknft auch öfter Lesungen seiner jüngsten Werke geben.

Bildunterschrift: Von einer Diskussion über Bücherverbrennungen inspiriert, zeichnete Norman Liebold den “Geist des Wissens”. (Bild: Körfgen)


17-Apr-2005 15:30


[Norman Liebold, 01.12.1995
Presseartikel
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