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Generalanzeiger Bonn, 25.02.2000
Norman Liebold
Lebhafter Totentanz
Ein Autor mit nihilistischen Gedanken
Jürgen Röhrig

Siegburg – Die Szene war düster, rotes Schummerlicht und Kerzen beleuchteten schwach Totenschädel und einen weiß geschminkten Akteur: Die Bühne im CVJM-Haus glich beim Auftritt von Norman Liebold einer Gruft, die Atmosphäre hatte etwas von schwarzer Messe. Der 23-jährige Autor und Darsteller stellte jetzt in einer Premiere sein Werk “Totentanz – Requiem auf den toten Barden” vor.
Zunächst und über weite Strecke hörte sich das Publikum eine muntere Predikt an: Von der Kanzel herab entwickelte Liebold in der Rolle eines Welthassers aus einem schwarzen Buch lesend seine nihilistischen Gedanken. Ironisch wirkende Antiquiertheit: In Versen beschrieb er seine Sicht der Dinge, kanzelte Religion und Philosophie und anderes ab, zeigte dabei überraschenden Humor – mittels Wortspielereien und Lautmalereien.
Die Rede schien auf eine völlige Selbstaufgabe der Figur hinauszulaufen. Eigentlich – und da ohnehin schon in der Gruft – hätte der Barde tot sein müssen, um sich sein Requiem zu verdienen. Überraschend die Wendung: Als alles gesagt, sämtliches Porzellan verbal zerschlagen war und der Akteur am Boden lag, gelang es ihm, die Leere nicht als Ende, sondern als Chance für einen zaghaften Neuanfang zu nutzen. Eine Spieluhr brachte ihn auf neue Gedanken – siehe, seine Kreativität war nicht versiegt. Applaus.
Liebold bezog das Publikum – ein nicht zahlreiches, aber begeistertes – ins Spiel mit ein. Einer (aber der war insgeheim eingeweiht) hatte einen kurzen Auftritt als Marionette. Als nächstes will Liebold seinen lebhaften Totentanz in Köln, Leipzig und Weimar aufführen.
Bildunterschrift: NORMAN LIEBOLD spielte im CVJM-Haus sein Stück “Totentanz”. (Bild:Jürgen Röhring)
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