Generalanzeiger vom Dienstag, den 13. Juli 2002
Von Jörn Rimbach

NORDSTADT. Was passiert eigentlich, wenn ein Herrscher kein Feindbild mehr hat? Er schafft sich ein neues. So jedenfalls im Stück “Politicon”, das das Ensemble “Amator Veritas” am Wochenende aufführte. Mehr als 30 Zuschauer kamen in das Haus des Kulturfördervereins Kult 41 und erlebten einen nachdenklichen Abend, der allegorisch auf die Ereignisse am 11. September anspielte, wie der Autor selbst sagt: “Ich habe das Stück kurz nach dem schrecklichen Attentat geschrieben und innerhalb von drei Wochen fertiggestellt”, so Norman Liebold, der auch auf der Bühne stand.
“Das hat mich alles sehr bewegt. Aber ich fand es auch schlimm, was die Amerikaner daraus gemacht haben.” So entstand ein Theaterstück, das mit historischen Fakten und politischer Fiktion spielt. Die Handlung: Der König vom Hohen Turm (Robert Christott) hat ein Militärbündnis mit den Freien Städten von Elderland, die er in der Vergangenheit von den schwarzen Reitern befreit hat. Als der gemeinsame Feind “Großer Bär” wegfällt und die freien Städte gleichberechtigte Partner werden wollen, braucht der König ein neues Feindbild zur Stabilisierung seiner Macht. Er findet es in Prinz Morius, weil dieser nicht an den gleichen Gott glaubt, provoziert den Prinzen und manipuliert dessen Reaktion, um das Volk aufzustacheln. Seine Beraterin Janar (Vera Walterscheid) beauftragt der Herrscher, den eigenen Palast in Brand zu stecken. Diese Tat schiebt er dem Prinzen unter. Allein der Bote Janus (Norman Liebold) durchschaut das böse Spiel und überzeugt Janar, sich gegen den Köig aufzulehnen. Als es fast zu einem Krieg kommt, greift Gott (per Tonbandstimme aus dem Off) ein und rettet die Menschheit.
“Politicon” ist nicht das erste Stück des Studenten, der seit 99 mit seiner eigenen Gruppe “Amator Veritas” auf der Bühne steht und durch ganz Deutschland tourt, vielmehr schreibt Liebold seit er schreiben kann. Heraus kommen Stücke, die “zwischen Proa, Lyrik und Theater stehen.” Dem Publikum gefiel “Politicon” – lang anhaltender Applaus würdigte die Leistung der drei Schauspieler. Dass sie auch mit Pannen käpfen mußten, bemerkte niemand.
“Uns ist fünf Minuten vor dem Auftritt das Lichtpult ausgefallen”, so Liebold, “aber ich glaube, wir haben es noch ganz gut hin bekommen.”
Bildunterschrift:Gute Miene zum bösen Spiel: Bote Janus (Autor Norman Liebold, links) und der machtbesessene König (Robert Christott). FOTO: FROMMANN
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[Norman Liebold,
13.07.2002 |
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