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abyss:abgrund sonderausgabe WGT XII. (Juni 2003)

Amator Veritas

Abyss-Redation

amator veritas ensemble

Authentizität, Wesentlichkeit, Tiefe, Anspruch – all das erscheint bei ernsthafter Kunst notwendige Zutat, doch das Amator Veritas Theater will mehr: die ursprünglichste Motivation des Schauspiels nicht verlieren, die Unterhaltung. Die dem Amator Veritas Verlag angehörige Theatergruppe beweist seit mehreren Jahren erfolgreich, dass diese Anforderungen umsetzbar sind. Seine Einzigartigkeit erlangen Theater und Verlag durch ihre Nähe zum Schöpfer der dargebotenen Werke – Norman Liebold selbst schreibt, ist Intendant, führt auf, zeichnet und ist Teilhaber des Verlags.
Dieses Jahr tritt das Trio um Liebold zum Dritten Mal in der Zwölfjährigen Historie des WGT auf – passenderweise mit gleich drei Aufführungen. Mit Vera Walterscheid und Martin Herweg wird in epischer Weise die tragische Liebe Kuno Ohnelands zu der vom dunklen Magier verfluchten Katharina dargestellt. (aus Märenborn). In der zweiten Vorstellung schlüpft der Autor selbst in die Rolle des suiziden Dämons, der, da er sich nicht selbst töten kann, sich mit seiner Erzählung zu lynchen lassen versucht, um so seinen brandneuen Roman Incubus auf dem Pfingsttreffen uraufzuführen. Zuletzt beleuchtet das Theater die alltäglichen Beziehungskisten durch die Blume der Symbolik – Wölfe, Rosen, Monde und Fische tummeln sich in den Geschichten, um dem Publikum den augenzwinkernden Blick auf das eigene Leben zu ermöglichen (aus Der Minnesänger-Komplex). Alle Werke können nach den Vorstellungen vom Autor signiert werden lassen – der Incubus anlässlich des 12. WGT in handgebundener, limitierter Sonderausgabe. Natürlich sind diese und andere Werke auch beziehbar über ww.amator-veritas.de.
Veranstaltungen im Cinestar: Fr. 15:10 – 16 Kuno Ohneland 18 – 18:50 Incubus Buchpremiere Sa. 19:50 bis 20:40 Der Minnesänger-Komplex Buchvorstellung

Incubus (Ausschnitt)
“Hent’ör mußte ihn gehört haben, denn er versuchte, sich aufzurichten, der riesige Krähenflügel drosch in die Luft, der Mund war zum Schrei geformt und ein hohles Krächzen brach zusammen mit Schleim hervor. “Er stirbt”, flüsterte Shant’ai neben ihm und zog an seiner Hand. Sie führte ihn zu Hent’ör, der zuckte und sich aufbäumte. “Ich habe ihn hergebracht. Er will es tun!” sprach sie laut in das halbzerfetzte Ohr des Todgeweihten. Sie legte Capers Hand in die zur Klaue verkrallten Hent’örs. Eisenhart packte sie zu, und Caper wurde nach unten gezogen, sein Gesicht befand sich keine Handbreit vor der zerstörten Fratze. Wo die Nase sein sollte, war ein Krater, und Caper sah den weißlichen Knochen der Hirnschale dahinter. Ein halber Krähenschnabel war schief in den Knochen eingewachsen. “Du mußt ihn küssen!” riefen Shant’ai und Suclabuntus zugleich. Das halbblinde Auge, milchig angelaufen, fixierte plötzlich Caper.
Soetwas wie Erkennen war in der geschlitzten Pupille. “Du!” krächzte Hent’ör. “Du also!”
Die Kralle ließ Capers Hand los, griff nach oben, packte ihn an der Tonsur. Caper fühlte die kalten, klammen Finger wie Eisenklammern um seinen Hinterkopf. Die Nägel waren Vogelklauen. Und sie drückten Capers Mund auf das zerstörtzerfetzte Loch in Hent’örs Schädel.
Etwas geschah.
Es war ein Sturm, der zugleich um Caper herum den Wipfel des Baumes ergriff und Blätter wirbeln ließ, wie auch durch ihn hindurch fegte, durch sein Innerstes brannte wie eine Feuerwalze, ein Starkstrom, der seine Nervenbahnen entlangraste und nur Schmerz und Asche hinterließ. Eine warmsalzige Flutwelle aus geronnenem Ekel flutete in ihn hinein, er würgte, aber sie ließ sich nicht aufhalten.”

© Norman Liebold Abdruck mit Genehmigung des Autors



[Norman Liebold, 14.06.2003
Presseartikel
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