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www.elendil.de – Fantasy-Forum, August 2003
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Interview mit dem Autor Norman Liebold

von Yvo Rene Scharf

Elendil: Wie heißen Sie und wie sind Sie zum schreiben gekommen?
Liebold: Mit meinem Namen ist das so eine Sache: Ursprünglich sollte mein älterer Bruder bereits “Normann” heißen, aber zu der Zeit war dieser Name nicht auf der vom Zentralkomitee der SED genehmigten Namensliste. Also wurde mein Bruder “Andreas” genannt. Als ich 1976 geboren wurde, sind die Liste endlich abgeschafft worden, und ich konnte endlich “Normann” heißen. Aber dem Amt unterlief ein Schreibfehler, und also werde ich “Norman” geschrieben und englisch ausgesprochen, obwohl der Name aus dem norwegischen kommt und soviel wie “Der Liebhaber des Nordlichts” heißt… (wie man sieht, kann man viele Worte um eine kleine Frage machen, ich glaube, mein Name wird über dem Interview stehen, oder?)
Meine Eltern erzählen, gefragt, gerne, daß ich als Kind nicht nur einen unstillbaren Hunger auf Geschichten hatte, sondern am laufenden Band welche erfand. Und daß es schwer gewesen sei, sie von Berichtetem zu unterscheiden, selbst wenn da irgendwelche Fabelwesen drin herumhüpften. Daß ich begann, die Geschichten aufzuschreiben, lag an meinem jetzigen Compagnon Jens Finkhäuser, der, als ich die Einfallslosigkeit seiner geliebten Fantasy-Romane bekritelte (ich hatte mich durch seine Bibliothek gefressen), meinte, ich solle es doch besser machen. Das war 1991 oder 1992. Jens zerriß seitdem über zehn Jahre hinweg meine Ergüsse in der Luft, während sich auf der anderen Seite eine kleine Fangemeinde um mich herum versammelte. 1996, in der 11. Klasse, gab ich dann mein erstes “Buch” heraus, eine 100-Seiten Broschüre mit Horror-Grotesken (natürlich von Jens zu recht belacht). Es folgten etliche weitere Broschüren, 1998 dann richtige Bücher und die Fangemeinde wuchs. Und Anfang 2
02 kam dann Jens und meinte, meine Sachen seien ja richtig gut geworden, wollten wir nicht gemeinsam einen eigenen Verlag gründen, wo ich mich doch immer aufrege, was die Verlage mit den Büchern anstellen…

Elendil: Seid wann schreiben Sie schon?
Liebold: Siehe oben. Wenn man Kindergekritzel wegläßt und einfach den Zeitpunkt nimmt, wo ich im Bewußtsein “literarischer Produktion” die Feder auf das Papier setzte, irgendwann Anfang 1992.

Elendil: Wussten Sie als Kind schon dass Sie einmal Autor werden wollen?
Liebold: Geschichtenerzähler, klar. Ich liebe es, Geschichten zu erzählen und zu sehen, wie man leuchtende Augen bekommt… ich wollte wohl den Effekt bei anderen erzielen, den mein Bruder mit seinen Geschichten bei mir mit tödlicher Sicherheit hervorrief. Ich sehe mich auch heute eher als Geschichtenerzähler als als Autor. Schreiben ist letztlich nur sich selber diktieren.

Elendil: Sie haben ja nun mittlerweile einige Bücher herausgebracht, fühlt man sich da schon als anerkannter Buchautor und vielleicht sogar als Star?
Liebold: Anerkannter Buchautor… mh. Denke schon. Mit “Krähe und Nachtigall”, das ich auf Ihrem Festival vorstellen werde, ist es das sechste oder siebte Buch im eigenen Verlagshaus. Die davor zähle ich nicht mehr. Bei uns sehen sie wenigstens nach was aus. Star? Kaum. Komische Vorstellung. Ich will, daß die Leute von meinen Geschichten verzaubert werden, nicht von mir. Hier und da will ein Veranstalter mich so verkaufen. “Multigenie” und so’n Kram, von wegen Zeichner, Schauspieler, Schriftsteller, Künstler blahblah. Kann nicht sagen, daß ich das mag. Nach den Vorstellungen kommen manchmal ein paar “Mutige” und sprechen uns an, und dann sitzen wir alle zusammen und da gibts keine Unterschiede. Sterne sind schön, fühle mich als Mensch aber besser.

Elendil: Wie viele Lesungen haben Sie schon gehalten?
Liebold: Oh, ich weiß es nicht. Für meine Webpage (nahtegal.de) habe ich letztens versucht, alle zusammen zu bekommen, aber von den meisten habe ich keine Nachweise mehr. Mußte anhand von Quittungen und Internet-Historien nachkramen und bin auf was um die 100 gekommen. Aber da fehlt mindestens die Hälfte.

Elendil: Wie sieht es mit aktuellen Projekten und Lesungen aus?
Liebold: Dieses Jahr haben wir nur noch wenige Lesungen, bzw. Theatervorstellungen. Im Monat etwa zwei. Ich arbeite im Moment an einigen Sachen parallel und habe wenig Zeit. Nächstes Jahr sind wir wieder voll da, also mit drei bis vier Vorstellungen im Monat. Jetzt gerade gebe ich “Krähe und Nachtigall” den letzten Schliff, geht Montag in die Druckerei. Vera Walterscheid hat einen schönen Illustrationszyklus dafür gemacht, und die Bilder müssen druckreif gearbeitet werden. Im Oktober kommt dann “Bardenträume” heraus, das sind drei ältere (1999 und 2000) Nahtegal-Romane, die den “Nahtegal-Zyklus” vervollständigen und noch korrekturgelesen werden müssen. Dann, November, die “Gesammelten Dramen” auf Wunsch in kleiner Auflage für die Liebhaber unserer Vorstellungen. Ansonsten ist ein neuer Roman in Arbeit. Arbeitstitel “Zeitenquell”. Ein Versuch, ein ganz klein wenig mainstreamig zu arbeiten. Eine Geschichte, die heute spielt und den Zauber der Welt gegen ihre Tristess ausspielt. Mit ziemlich viel Gesellschaftskritik und Abenteuer. Sieht wie eine Mischung aus märchenhaftem Iniana Jones, 1984 und Herrn der Ringe aus…;-) Anfang nächsten Jahres wird er, denke ich, fertig sein. Nebenbei entstehen eine neue Reihe von Märchen, eingebunden in eine Rahmenhandlung (so etwa “Wirtshaus im Spessart” von Hauff) und das “Poeticon”, worüber ich aber nicht mehr veraten will, als daß es ein Liederzyklus für eine Mittelalterband wird und sich um das Bardentum und Sinn und Zweck des Schreibens dreht. Es wird online bei nahtegal.de stehen.


[Norman Liebold, 14.08.2003
Presseartikel
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