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Generalanzeiger. Bonner Stadtanzeiger. Freitag, 18. Januar 2008. Seite 6.

Ein Campingwagen als Dichterklause

Autor[:] Norman Liebold stellt am kommenden Mittwoch in der Oberpleiser Bibliothek seinen Krimi „Dichterbrand” vor. Auf dem Campingplatz Hülder in Eudenbach findet er zum Schreiben die nötige Ruhe

Von Uta Effern-Salhoub
Fotos von: Frank Homann

Eudenbach. Eine Katze huscht über den Händelweg [sic! Händelstrasse], grau wie der wolkenverhangene Himmel über dem Oberhau an diesem trüben Januar-Morgen. Sonst rührt sich nichts zwischen “Hazienda-Vogel”, “Sterntorbrücke” und “Nobby-Landhaus”. Der Eudenbacher Campingplatz Hülder liegt im Winterschlaf. Stress und Trubel sind weit entfernt, zugleich aber auch Annehmlichkeiten wie Zentralheizung und eine warme Badewanne. Beides verzichtbar für Norman Liebold. In einem Campingwagen älteren Baujahres samt Vorzelt hat sich der 31-jährige eine kleine “Dichterklause” eingerichtet.

Es ist eng und plüschig auf den mit roten Samt- und Leopardenfellbezügen bezogenen Sitzbänken im Wohnwagen. Plüschig, gemütlich und inspirierend für den 31-jährigen, der 2005 seine Liebe für den Platz entdeckte und ihn zum Zweitwohnsitz erkor, neben der Wohnung in Leipzig. So bescheiden es in der Klause auch zugeht, an die Welt da draußen ist der Dichter technisch bestens angebunden: Laptop, Internet per UMTS und Handy sei es gedankt, derweil Liebold TV-Geräte schon lange aus seinem Leben verbannt hat: „Das habe ich 1998 bei einer Bühnenperformance mit einem Vorschlaghammer zertrümmert.” Liebold ist nach eigenen Bekunden ein verbissener Rechercheur, der es mit der Genauigkeit des Hintergrunds seiner Romane penibel genau nimmt: „Ich recherchiere für jede längere Novelle mehr als für meine Magisterarbeit.” Die handelte vom mittelalterlichen Versepos „Tristan und Isolde”.

Der 31-Jährige findet in der beschaulichen Wohnwagen-Siedlung genau die Ruhe, die er suchte. „Schreiben ist keine Sache, die man in Gesellschaft machen kann”. Gerade jetzt nicht: Der Schriftsteller liegt aktuell in den letzten Zügen seines aktuellen Buches „Dichterbrand”. Liebold hat dafür den kompletten Sherlock Holmes in der Übersetzung von Gisbert Haefs „studiert”1 Sein Kriminalroman – „der gar keiner ist, aber pst!” – erscheint am 23. Januar und Liebold stellt ihn am selben Tag noch in der Öffentlichen Bibliothek Oberpleis vor – sozusagen am Handlungsschauplatz, denn mehrere Szenen spielen unweit des Pleisbachs. Die Handlung von „Dichterbrand” klingt zunächst reichlich dramatisch: Hinter den Sieben Bergen fliegt ein Wohnwagen in die Luft und Schriftsteller Beckmann verbrennt im lodernden Inferno. Selbstmord, Unfall oder Mord?

Liebold stellt als Protagonisten Quirin Hundtemann in den Mittelpunkt, der Autors Alter Ego. Hundtemann ist genau wie Junggeselle Liebold frischgebackener Literaturwissenschaftler. Zugleich ist die Romanfigur aber auch Privatdetektiv aus finanziellen Nöten. Er wird in den Oberhau geschickt, um „in der Asche des Dichters Beckmann zu schnüffeln”. Das erinnert ein bisschen an das Rezept, nach dem Eifeldichter Jacques Berndorf erfolgreich seine Eifelkrimis mischt.

Ähnlich wie der Eifel-Erfolgsautor lässt Liebold es im Siebengebirge so richtig krachen: Im Oberhau brodelt nach besagtem „Dichterbrand” die Gerüchteküche und die sonst so verschlafene Gegend wimmelt von Reportern. Hauptfigur Quirin befindet sich im „Wettlauf mit den Massenmedien um den Preis der Wahrheit”. Mehr soll nicht verraten werden über den Krimi, an dessen letzten 20 Seiten der Dichter zurzeit noch täglich in seiner Wohnwagen-Klause feilt, um sie am Mittwoch druckfrisch in Oberpleis zu präsentieren. Das Ganze erscheint, wie die vorherigen 13 Bücher Liebolds, im Eigenverlag „Amator Veritas”. Mit Verlagen hatte Liebold bislang so seinen [sic!] Probleme: 1998 gab er etwa die sozialkritische Novelle „Eckstein” an einen Verlag [sic!]2 und erhielt das Werk vom Lektor zurück mit diversen Änderungswünschen – „aber das war für mich nicht drin”.

Gleichwohl will Liebold nach jüngsten Verkaufserfolgen nochmals an Verlage herangehen und neue Romanprojekte anbieten. An Ideen mangelt es ihm nicht: Für Quirin Hundtemann allein hat der phantasievolle Dichter „zehn Fälle, die er lösen könnte”, auf Lager. Menschen und Natur im Siebengebirge haben das Herz des Dichters erobert. Wie die Eudenbacher Camper, die Liebold einfach „superknuffig” findet. Bei zwei Lesungen 2007 lauschte die gesamte Campingplatz-Gemeinde der Dichtkunst ihres Mitbewohners.

Auch die Biliothek des Schulzentrums Oberpleis hat Liebold liebgewonnen: Sie hat in dem „treuen Bücherwurm” und „Tintenfuchser” Liebold seit zwei Jahren einen „beständigen Bücherwegschlepper. Ich finde es phantastisch, dass hier eine Bastion freier Bildung aufrecht gehalten wird”, zollt er dem ehrenamtlichen Engagement Lob. Die Lesung beginnt um 19.30 Uhr, der Eintritt inklusive Snack kostet sechs Euro.

Zur Person

Norman Liebold wurde 1976 im sächsischen Eilenburg geboren. Seine Familie übersiedelt nach dem Mauerfall nach Siegburg, wo er 1997 das Abitur absolviert. Bereits während der Schulzeit veröffentlicht Liebold im Eigenverlag kleinere literarische Texte („Narratiunculae Obscurae”), stellt photographische und grafische Arbeiten aus. Nach dem Zivildienst immatrikuliert er an der Universität Bonn in Germanistik und Philosophie und schließt das Studium 2007 mit dem Magister Artium ab. 2000 gründet er das „Amator Veritas Theater”, zwei Jahre später einen gleichnamigen kleinen Verlag, wo auch das erste Buch „Märenborn” erscheint. Liebolds Texte werden von ihm selbst oder in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Künstlern illustriert, Werke unter anderem: „Märenborn”, Märchenroman 2002, Vampyriade, Horrorroman, 1998, Der Kulturgeist, phantastische Anthologie, 2007.

ff

[Bildunterschriften:] Schreibstube: Am „Wohnzimmertisch” seines Campingwagens brütet Norman Liebold über dem „Dichterbrand”.

Draußen führt er zu „Originalschauplätzen” seines aktuellen Romans.

Fotos: Frank Homann

  1. [Sic! Natürlich im Original, jedoch kann ich das meinen Lesern nicht zumuten und wählte darum zum Zitieren im Roman die Übersetzungen von Haefs, weil sie genau und trefflich gelungen sind.]
  2. [„Eckstein" entstand erst 2004. Das benannte Buch war die „Vampyriade".]


[Norman Liebold, 18.01.2008
Presseartikel
Kommentare: 2 Kommentare » ]



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    - Norman Liebold | Buch Bühne Bildkunst - Bühnenarbeit sagt am 22. April 2008

    [...] Generalanzeiger 18.01.’08 [...]


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