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Generalanzeiger. Bonner Stadtanzeiger. Freitag, 14. März 2008. Seite 12.

Ein Campingwagen als Dichterklause

Autor[:] Norman Liebold hat gerade seinen neuen Krimi “Dichterbrand” fertiggestellt. Auf dem Campingplatz Hülder in Eudenbach findet er zum Schreiben die nötige Ruhe

Von Uta Effern-Salhoub
Fotos von: Frank Homann

01-Apr-2008 14:50, KONICA MINOLTA DiMAGE Z20, ISO 254

Eudenbach. Eine Katze huscht über den Händelweg [sic! Händelstrasse], grau wie der wolkenverhangene Himmel über dem Oberhau an diesem trüben Januar-Morgen. Sonst rührt sich nichts zwischen “Hazienda-Vogel”, “Sterntorbrücke” und “Nobby-Landhaus”. Der Eudenbacher Campingplatz Hülder liegt im Winterschlaf. Stress und Trubel sind weit entfernt, zugleich aber auch Annehmlichkeiten wie Zentralheizung und eine warme Badewanne. Beides verzichtbar für Norman Liebold. In einem Campingwagen älteren Baujahres samt Vorzelt hat sich der 31-jährige eine kleine “Dichterklause” eingerichtet.

Es ist eng und plüschig auf den mit roten Samt- und Leopardenfellbezügen bezogenen Sitzbänken im Wohnwagen. Plüschig, gemütlich und inspirierend für den 31-jährigen, der in Siegburg Abitur machte, 2005 seine Liebe für den Platz entdeckte und ihn zum Zweitwohnsitz erkor, neben der Wohnung in Leipzig. So bescheiden es in der Klause auch zugeht, an die Welt da draußen ist der Dichter technisch bestens angebunden: Laptop, Internet per UMTS und Handy sei es gedankt, derweil Liebold TV-Geräte schon lange aus seinem Leben verbannt hat: „Das habe ich 1998 bei einer Bühnenperformance mit einem Vorschlaghammer zertrümmert.” Liebold ist nach eigenen Bekunden ein verbissener Rechercheur, der es mit der Genauigkeit des Hintergrunds seiner Romane penibel genau nimmt: „Ich recherchiere für jede längere Novelle mehr als für meine Magisterarbeit.” Die handelte vom mittelalterlichen Versepos „Tristan und Isolde”.

Der 31-Jährige findet in der beschaulichen Wohnwagen-Siedlung genau die Ruhe, die er suchte. „Schreiben ist keine Sache, die man in Gesellschaft machen kann”. Gerade erst hat der Schriftsteller seinein [sic! seinen] Kriminalroman “Dichterbrand” vorgestellt. Liebold hat dafür den kompletten Sherlock Holmes in der Übersetzung von Gisbert Haefs „studiert”1 Mehrere Szenen spielen unweit des Pleisbachs. Die Handlung von „Dichterbrand” klingt zunächst reichlich dramatisch: Hinter den Sieben Bergen fliegt ein Wohnwagen in die Luft und Schriftsteller Beckmann verbrennt im lodernden Inferno. Selbstmord, Unfall oder Mord?

Liebold stellt als Protagonisten Quirin Hundtemann in den Mittelpunkt, der Autors Alter Ego. Hundtemann ist genau wie Junggeselle Liebold frischgebackener Literaturwissenschaftler. Zugleich ist die Romanfigur aber auch Privatdetektiv aus finanziellen Nöten. Er wird in den Oberhau geschickt, um „in der Asche des Dichters Beckmann zu schnüffeln”. Das erinnert ein bisschen an das Rezept, nach dem Eifeldichter Jacques Berndorf erfolgreich seine Eifelkrimis mischt.

Ähnlich wie der Eifel-Erfolgsautor lässt Liebold es im Siebengebirge so richtig krachen: Im Oberhau brodelt nach besagtem „Dichterbrand” die Gerüchteküche und die sonst so verschlafene Gegend wimmelt von Reportern. Hauptfigur Quirin befindet sich im „Wettlauf mit den Massenmedien um den Preis der Wahrheit”. Mehr soll nicht verraten werden über den Krimi, an dessen letzten 20 Seiten der Dichter zurzeit noch täglich in seiner Wohnwagen-Klause feilt, um sie am Mittwoch druckfrisch in Oberpleis zu präsentieren. Das Ganze erscheint, wie die vorherigen 13 Bücher Liebolds, im Eigenverlag „Amator Veritas”.

An Ideen mangelt es ihm nicht: Für Quirin Hundtemann allein hat der phantasievolle Dichter „zehn Fälle, die er lösen könnte”, auf Lager. Menschen und Natur im Siebengebirge haben das Herz des Dichters erobert. Wie die Eudenbacher Camper, die Liebold einfach „superknuffig” findet. Bei zwei Lesungen lauschte die gesamte Campingplatz-Gemeinde der Dichtkunst ihres Mitbewohners.

[Bildunterschrift:] Schreibstube: Am „Wohnzimmertisch” seines Campingwagens brütet Norman Liebold über dem „Dichterbrand”.

Fotos: Frank Homann

[Bei dem Artikel handelt es sich um eine aktualisierte und veränderte Version des am 18. Januar erstmals im Lokalteil Siebengebirge des Generalanzeigers erschienenen Artikels.]

  1. [Sic! Natürlich im Original, jedoch kann ich das meinen Lesern nicht zumuten und wählte darum zum Zitieren im Roman die Übersetzungen von Haefs, weil sie genau und trefflich gelungen sind.]


[Norman Liebold, 14.03.2008
Presseartikel
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