Generalanzeiger Bonn vom 02.12.2008, S. 20
Von Stefan Knopp
SCHWARZRHEINDORF. Der Mensch im Technik-Wahn: Blind verlässtman sich auf das Navi-Gerät im Auto, Kühlschränke bestellen eigenständig Lebensmittel via Internet und mehr. Schriftsteller Norman Leibold treibt dieses Thema in seinem neuen Kurzroman „Navigator“ auf die Spitze, den er in der KunstStation vorstellte.
Die Novelle spielt in einer hoch technisierten Zukunftswelt und handelt von dem Jungmanager Kevin, dessen Auto vom Blitz getroffen wird, woraufhin sämtlich Elektronik ausfällt. Die Folgen sind schlimmer als erwartet: Das Gefühl von Freiheit, das ihn überkommt, als er erstmals sein Auto komplett selbst steuern muss, weicht bald der bitteren Erkenntnis, dass der Gesellschaft, in der er lebt, eine heile virtuelle Welt vorgegaukelt wird. Das Navi lenkt einfach um unangenehme Bereiche der Realität herum. Unfähig, sich an den Weg zur Arbeit zu erinnern, gerät Kevin mit seinem teuren Auto in ein Viertel von Köln, wo er die harte Realität kennenlernt.
Die Botschaft ist klar: Eine übermäßige Abhängigkeit von Technik kann den Blick auf die Realität trüben. Aktuelle Themen wie die Wirtschaftskrise finden sich ebenso in diesem Buch wieder wie Gesellschaftskritik – wie in Goerge Orwells „1984“ oder Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“.
„Die Geschichte ist erst heute Nacht um drei Uhr fertig geworden“, sagte Liebold . Die Besucher der ersten Lesung, die in der Schwarzrheindorfer KunstStation gehalten wurde, mussten einen langen Atem haben, denn der 32-Jährige hatte sich vorgenommen, die Novelle komplett vorzulesen. Begleitet wurde er dabei von Musiker Bernd Vollbach mit verschiedenen Saiteninstrumenten. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch eine Installation des Künstlers Walbrodt: Er hatte den Boden mit Landkarten ausgelegt, um die „Abstrahierung der Realität“ zu unterstreichen, die in der Novelle dargestellt wird.
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[Norman Liebold,
02.12.2008 |
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