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Generalanzeiger vom 14.06.2010, Seite 12

Künstlerische Kritik an der Politik

Michael Franck aus Alfter setzt Bruchholz ein. Künstler will provozieren und transportieren

Von Stefan Knopp

ALFTER. Ein Einsiedler, der bewusst jeden Kontakt zur Zivilisation meidet, ist der Alfterer Künstler Michael Franck sicher nicht. Dennoch ist die Figur Beorn aus Norman Liebolds gleichnamiger Geschichte, benannt nach dem Einsiedler in Tolkiens “Der kleine Hobbit”, unter anderem ihm nachempfunden. “Die Geschichte ist auch eine Hommage an Michaels Kunst”, erklärte der Autor. Da lag es nahe, im Rahmen der “musischen Vollmondnacht” unter dem Titel “Licht, Stein, Klang und Wort” im Kunst-Licht-Skulpturen-Garten des Künstlers auch daraus vorzulesen. Begleitet wurde Liebold vom Musiker Maxim Spektor, der das Gelesene passend mit improvisierten Percussion-Klängen untermalte. Der Schriftsteller aus dem Siebengebirge las aus mehreren seiner Texte, dazwischen spielten Lara und Daniel Gentile von der Akustik-Band “Eko”.

Generalanzeiger vom 12.06.2010, S. 12

Bild im Generalanzeiger vom 12.06.2010, S. 12. Bildunterschrift: Der Künstler und sein Werk: Michael Franck stellt seine Arbeiten in Alfter aus. Foto: Wolfgang Henry

Zuvor hatten die Besucher Gelegenheit, Francks Werke zu besichtigen. Der Künstler arbeitet “mit Fragmenten aus der Natur in Verbindung mit Glas, Stein und anderen Dingen”, erklärte er. Imposant sind seine Holzskulpturen: Einige hat er zu Schachfiguren verarbeitet, die auf Ausstellungen auf dem Fragment eines großen Schachbretts stehen. “Das ist aber 17 Meter breit und passt nicht in meine Wohnung.” Etwa drei Jahren arbeitet er mit Holz von Bäumen, die Stürmen zum Opfer gefallen sind. Die Skulptur “Versteckte Gedankenlücke” hat er 2008 nach dem Orkan Emma gesammelt, “Horizontal” zeigt Holz von Yvonne von 2008. Im Garten ruht eine längliche Holzskulptur vom Orkan Kyrill, Mitte Januar 2007, auf einer Konstruktion aus aufgestapelten Schiefersteinen, die die Vornamen deutscher Politiker tragen. “Liege der Ignoranz auf der Mauer der Ignoranten” heißt das Werk, eine deutliche Kritik an der Industrie-Politik der Bundesregierungen der letzten 30 Jahre. “Für mich sollte Kunst nicht nur schön, hässlich oder provokant sein, sondern auch etwas transportieren.”

Auch den “großen Bruder” konnte man betrachten, in das Werk ist Glas eingearbeitet, mit Metallstreben und einer Eisenkette. Daneben zeigte Franck auch kleinere Steine, in die Weißglas von Nanometer-Messgläsern eingearbeitet sind, das von innen beleuchtet wird und faszinierende Muster an die Wand wirft. Das Bild des Fingerabdrucks eines Orang-Utans ziert den Eingangsbereich – “Den hat mir ein Freund besorgt, der im Kölner Zoo arbeitet” – und auf der Terrasse steht Francks neuestes Werk: Zwischen zwei Mannshohen Moselschiefersteinen hat er 555 Glasscheiben angebracht. “Dafür habe ich 15 Quadratmeter Glas verarbeitet.”

Im Garten las Liebold auch aus seiner neuesten Geschichte: “Euthanatus”. Sie spielt zur Abenddämmerung auf dem Petersberg, dazu passend wurde nach Sonnenuntergang ein bengalisches Feuer im Garten entzündet.


Generalanzeiger vom 12.06.2010, Seite 12

Generalanzeiger vom 12.06.2010, Seite 12


[Norman Liebold, 14.06.2010
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